Dieses Familienrezept hat mir heute mein
Schreiberling geschickt und ich danke ihm sehr dafür...
Das Familiengeheimrezept: Omas Männerlebkuchen
Es gibt nichts, was besser schmeckt, und es fehlt etwas, wenn wir
einmal keine haben. Warum wir sie Männerlebkuchen nennen? Eine zarte
Frauenhand sollte sich lieber nicht an die Zubereitung machen, es ist
Knochenarbeit. Die sich aber lohnt.
Also: los geht's!
ZutatenDer erste Teig
2 Pfund Mehl
1/2 Pfund Honig
1/2 Pfund Rübensirup (den dunkelbraunen)
1/2 Pfund Zucker
1/2 Pfund Butter
Der zweite Teig
1 Tasse Wasser
1/2 Pfund Mandeln oder Nüsse (gehackt)
1/2 Pfund Zitronat (nicht zu grob gewürfelt)
5 g gemahlene Nelken
10 g Zimt
20 g Pottasche
10 g Hirschhornsalz
Anmerkung
zum Einkauf: Rechtzeitig gehen, nicht jeder Laden hat jederzeit jede
Zutat auf Lager. Der richtige Tag ist der 6. September. Drei Tage
vorher oder nachher sollten auch OK sein. Profis achten auf die
Mondphase.
Anmerkung zur Maßeinheit: Ein Pfund sind 500 g. Eine
Waage mit Pfund wiegt besser als eine mit Kilo, jedenfalls für so alte
Rezepte. Meine kann allerdings auch nur Kilo.
Anmerkung zur
Menge: Nehmen Sie ruhig von allem das Doppelte. Wer (gierig wie ich)
die vierfache Menge nimmt, hat allerdings ein schönes Stück Arbeit vor
sich und braucht geräumige Schüsseln und die dreifache Zeit.
Anmerkung
zu den Zutaten: Wir haben auch statt Zitronat schon Rosinen versucht,
oder noch mehr Mandeln. Schmeckt auch schön. Aber nicht das fertige
Lebkuchengewürz nehmen. Und nicht Backpulver oder so. Es muß die "gute"
Butter sein. Beim Honig haben wir keine Forderungen, aber nicht auf den
braunen Sirup verzichten!
Und wie jeder weiß: jedes Zuckerfutter braucht natürlich die angemessene Prise Salz.
ZubereitungDer erste Teig
Wir beginnen am 14. September. Oder so. Wichtig: lange vor Weihnachten, es soll aber schon ein bißchen kühler werden.
Das
Originalrezept sagt lakonisch: Honig, Sirup, Zucker und Butter
aufkochen und über das Mehl brühen. Dieses eine Nacht stehengelassen.
Anmerkung aus der Praxis: Schön gründlich vermischen, keine Mehlinseln unten liegenlassen. Das schafft mein Knetstab ganz gut.
Der zweite TeigDas wäre ja dann am 15. September.
Das Originalrezept sagt kurz und knapp:
Triebmittel in Wasser aufgelöst und mit allem übrigen dazugemengt.
Anmerkungen:
Man wird feststellen, das sich der erste Teig in ein steinartiges Stück
verwandelt hat. Ich trenne ihn mit starkem Messer in zentimeterdicke
Scheiben und zerbrösele diese in nußgroße Stücke. Zeitaufwand: nicht
gering.
Hierüber die Gewürze verstreuen.
Die beiden Triebmittel
müssen natürlich in getrennten Tassen aufgelöst werden, das Wasser kann
dazu handwarm sein. Es wird nicht vollständig gelingen, zumal wenn man
wie ich eher ein bißchen mehr von dem Pulver nimmt. Macht aber nichts,
wird so mit reingeknetet.
Die aufgelösten Chemikalien über die Brösel gießen und von Hand
reinkneten. Man braucht starke Hände dazu (meine Maschinen schaffen das
alle nicht). Hinterher tun sie schön weh, wenn man sonst nur an die
PC-Maus gewöhnt ist. Aber der Teig wird schön geschmeidig. Es duftet
herrlich. Und klebt prima an den Fingern. Die Finger werden dabei
chirurgisch sauber.
Bei der Gelegenheit fügt man auch zwischendurch Mandeln und Zitronat zu
und knetet sie mit unter.
Diesen
schönen zweiten Teig in ein handliches Stück formen und zur Ruhe legen.
Ich nehme eine stabile dichtschließende Plastetortenschachtel. Eine
luftdichte Tüte sollte es auch tun, aber lieber möchte ich die Mäuse
auf meinem Dachboden nicht in Versuchung führen. Die Ruhe erfolgt im
Dunklen. Und vor allem kühl soll es sein.
Das BackenAm
23. Oktober (oder so - fragen Sie zum genaueren Termin Ihren Arzt oder
Apotheker) suche ich den Teig hervor. Er sieht genauso aus wie vorher,
vielleicht ein bißchen kompakter. Wählen Sie auf alle Fälle einen Tag,
an welchem Sie richtig Zeit haben.
Das Originalrezept sagt: Auf ein Blech gelegt und nach dem Backen mit dem Messer geteilt.
Wir
rollen ihn mit wenig Mehl aus, 4 mm? So dünn es die Zitronatwürfel
erlauben, aber auch nicht zu dünn. Ausstechen mit Förmchen ist sinnlos,
denn alles zerfließt beim Backen in unförmige Gebilde. Am schönsten
sind kleine Lebkuchentafeln. Die ausgerollte Fläche also in Vierecke
von 3x4 cm schneiden.
Die Küchlein auf gefettetes Blech oder einfach auf Backpapier legen, reichlich Abstand lassen.
Backen: ca. 8 Minuten bei 175° C mit Umluft. Genau weiß man's nach dem fünften Blech.
Die
Lebkuchen sollen nicht verbrennen. Sie haben dann eine nette Farbe,
fassen sich beim Rausholen allerdings recht schlabbrig an. Das legt
sich, sie werden bald sehr hart. Dann nimmt man sie vom Blech und
gesellt sie zu den anderen, die schon in der großen Kiste warten. Schön
übereinander stapeln: In der Kiste neigen sie dazu, sich krumm zu
biegen.
Das EssenWir finden, die Lebkuchen
schmecken zu jeder Zeit herrlich, selbst schon als Teig. Kein Wunder
bei den Zutaten. Am Besten sind sie, wenn sie recht lange liegen. Sie
werden dann ganz weich und zergehen auf der Zunge. Am Allerbesten sind
sie Ostern.
Viel schneller werden sie weich, wenn sie mit den
anderen Weihnachtsplätzchen (auch gekauften) gemeinsam in einer
Schachtel liegen können. Der Trick mit dem hinzugelegten Apfel scheint
bei uns hingegen nicht zu funktionieren.
Tja, bleibt eigentlich
nur noch der Ratschlag, niemandem von der Köstlichkeit zu erzählen. Man
muß sonst viel zu viel abgeben. Was aber unseren Vorrat betrifft: Von
dem bekommt Ihr nichts. Backt Euch gefälligst selber welche!
Guten Appetit!
PS: Man kann auch viel später mit dem Backen anfangen ;-) Allerdings muß man die harten Küchlein dann in den Kaffee ditschen.
Oder wirklich bis Ostern warten.
Kommentare